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Bis zu den Sternen und darüber hinaus

Bildergalerie

Michael Winkhaus
Die Sonne mal ganz nah
Michael Winkhaus
Der Projektor kommt im selbstgebauten Planetarium der schuleigenen Astronomie-AG zum Einsatz
Michael Winkhaus
Sterne zum Staunen auf dem Dach des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums
Michael Winkhaus
Alle Jahrgänge sind im Projekt willkommen
Michael Winkhaus
Junge Astronomen bei der Arbeit
Schülerlabor Astronomie und „SchulPOOL“ in Wuppertal

Es war allerschönstes, klares „Winkhaus-Wetter“, so der Wuppertaler Oberbürgermeister, als im Oktober 2009 das Schülerlabor Astronomie auf dem Dach des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG) in Wuppertal eingeweiht wurde. Für Michael Winkhaus, Diplomphysiker, Forscher und seit dem Jahr 2000 Lehrer für Mathematik und Physik am CFG, war dies ein ganz besonderer Tag in der jahrelangen erfolgreichen Zusammenarbeit von Schülern, Wissenschaftlern und Lehrern. „Besonders innovativ ist an unserem Projekt, dass wir europaweit erstmals versuchen, eine Sternwarte als Bildungseinrichtung zu etablieren. Typische Sternwarten gibt es entweder als Forschungseinrichtungen oder als Vereinssternwarten für Amateure, und auch bereits bestehende Schulsternwarten orientieren sich ausnahmslos an diesen Vorbildern. Man findet also stets eine Einrichtung vor, in der nur ein Einzelner oder ganz wenige Eingeweihte arbeiten können.“ Das ist in Wuppertal völlig anders: Die Sternwarte ist ein Schülerlabor, das aus sechs Beobachtungsinseln und einem Sternwartengebäude besteht, so dass insgesamt sieben Schülergruppen gleichzeitig astronomische Beobachtungen machen können. Ein von der schuleigenen Astronomie-AG selbstgebautes Planetarium sorgt überdies für stimmungsvolle astronomische Lehrprogramme und Shows. Und: Alle Jahrgänge der Schule können, je nach Leistungsstand und Unterrichtsinhalt, in und mit der Sternwarte lernen und Wissenschaft hautnah erleben.

Für und rund um diese außergewöhnliche Anlage ist aber noch viel mehr entstanden, denn seit Jahren gibt es eine enge Kooperation der Schule mit der Bergischen Universität Wuppertal und ihrer Schul-Physik-Initiative „SchulPOOL“. Michael Winkhaus nennt es eine „fruchtbare Symbiose für alle“. Die Lehrer der Region haben eine Attraktion bekommen, um für Physik, Technik und Naturwissenschaften zu werben. Die Wissenschaftler begleiten gute Einzelprojekte an der Schule und schicken ihre (Lehramts-)Studenten dorthin, um Praxiserfahrung zu sammeln. Lehrer Winkhaus bekommt so gleich den „Nachwuchs“, um Schüler und die zahlreichen Besuchergruppen (jeweils bis zu 150 Teilnehmer) zu betreuen. Und die Schüler selbst? Michael Winkhaus spricht voller Anerkennung von ihnen, denn Facharbeiten, teilweise hoch komplizierte Eigenbauten sowie unzählige freiwillige Arbeitsstunden haben seine Schützlinge beigetragen. „Meine Schüler, die in Tausenden von Stunden zusammen mit mir an der Verwirklichung gearbeitet haben, begründen den Erfolg“, sagt er stolz. Und sie beweisen durch zahlreiche erfolgreiche Teilnahmen an Wettbewerben wie dem „Röntgen Physikwettbewerb“ und bei Jugend forscht, dass „Sternegucker“ wissenschaftlich voll überzeugen können. Diese direkte Einbindung der Schüler, so Winkhaus, war es auch, die zahlreiche Sponsoren und Förderer für das Vorhaben einnahm. Denn ohne deren Unterstützung hätte man ein solches Projekt gar nicht in Angriff nehmen können.

Doch es sind nicht nur die Schüler, die profitieren. Ein weiteres wesentliches Merkmal des Schülerlabors ist die langfristige und nachhaltige Schulung der Lehrer im Fach Astronomie. Neben den bereits bestehenden Fortbildungen innerhalb von SchulPOOL, zum Beispiel zum Strahlenschutz sowie Experimenten zum Thema Energie, wurde die Erweiterung auf den Bereich Astronomie beschlossen. Die Ausbildung der künftigen Grund-, Haupt- und Realschullehrer, die im Bachelorstudiengang „Grundlagen der Naturwissenschaften“ stattfindet, beinhaltet nun ein Praktikum von rund 30 Stunden, zu dem auch astronomische Lehrinhalte gehören. Zusätzlich arbeiten die Studenten innerhalb des Astronomieseminars astronomisches Unterrichtsmaterial und Praktikumsexperimente für die Sternwarte aus. Vier Studenten schrieben bisher ihre Examensarbeit an der Sternwarte, was die Nutzung des Schülerlabors für Belange der Universität weiter vorangetrieben hat. Diese Kooperation bereichert einerseits die Lehrerausbildung an der Universität und kommt auf der anderen Seite den Schulen zugute, etwa über eine Buchung bei SchulPOOL, um die Sternwarte für eine astronomische Beobachtung zu nutzen oder um astronomisches Material für den Unterricht von der SchulPOOL Internetseite herunterzuladen.

Aber auch außerhalb des Schulbetriebs haben Interessenten jeden Alters die Chance zu kommen und zu staunen: entweder als Teilnehmer der Besuchergruppen oder über die Kooperation mit der Wuppertaler Junior-Uni. Kinder und Jugendliche können sich dort im Kursbetrieb für einen Besuch der Sternwarte entscheiden. Gemeinsam mit den Bergischen Science Labs der Universität Wuppertal startete die Junior-Uni vor kurzem neue astronomische Kurse am Schülerlabor: „Digitale Astrofotografie und astronomische Bildbearbeitung“ und „Faszinierendes Universum“ stießen auf riesige Resonanz und sind trotz regelmäßigem Angebot ständig ausgebucht. „Für fünf Jahre haben wir dank unserer Partner die finanzielle Absicherung dafür“, freut sich Michael Winkhaus. Er fasst die unzähligen Möglichkeiten so zusammen: „Das Schülerlabor Astronomie bündelt und vernetzt zahlreiche Bildungsinitiativen im Bergischen Land und entfaltet seinen hohen Bildungswert in den so wichtigen naturwissenschaftlich-mathematisch-technischen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen.“