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„Nachwuchsförderung lohnt sich!“

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Mittwochs ist UNI-Tag für die Schüler des Cottbuser Netzwerks
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In NaT-Working-Projekten müssen die Schüler selbst Hand anlegen
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Forschung findet nicht nur im Labor statt
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Schüler und Studenten besprechen die Messungsergebnisse gemeinsam
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Schule trifft Wissenschaft: 2009 wurde das Projekt für den Preis „Schule trifft Wissenschaft“ nominiert
Kompetenzzentrum Forschungs-Bildungs-Kooperation, Cottbus

Am Anfang dieses NaT-Working Projekts stand die klare Feststellung eines Defizits: „Offensichtlich sind die Schulen in Deutschland (insbesondere in Brandenburg) zur Zeit nicht ausreichend in der Lage, mathematisch-naturwissenschaftlich potentiell interessierte und begabte Schülerinnen und Schüler ausreichend zu fördern, um genügend viele hochqualifizierte Studienanfänger auf o. g. Fachrichtungen vorzubereiten.“ Dies schrieben Professor Reinhard F. Hüttl und seine Mitarbeiterin Viola Liebig (Diplom-Lehrerin für Biologie und Chemie) vom Lehrstuhl für Bodenschutz und Rekultivierung der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) in ihrem Bewerbungsschreiben für das NaT-Working Programm Ende 2005 nach Stuttgart. Das Konzept, wie man dem konkret entgegen wirken könne, wurde erfolgreich umgesetzt und die Bilanz nach dem Ende der dreijährigen Laufzeit von NaT-Working und mit vielen weiteren Unterstützern, Impulsen und neuen Geldgebern ist beeindruckend: Mehr als 500 Schüler örtlicher Gymnasien, (das entspricht etwa 70 000 Unterrichtsstunden!) waren bisher zu festen Unterrichtszeiten an der BTU und werden mittlerweile von den Wissenschaftlern an 45 Lehrstühlen betreut. 119 Projektarbeiten sind dort bis heute entstanden, und etliche erfolgreiche Teilnahmen der Schüler an Wettbewerben belegen die Güte der Ergebnisse. „Es liegt an der richtigen Vermittlung der nur scheinbar schwierigeren naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer“, lautet die Überzeugung der leidenschaftlichen Projektkoordinatorin Viola Liebig.

Dieser Erfolg auf breiter Front hat eine festes Fundament: Es ist die Mischung aus klugem Konzept, langem Atem und riesigem Einsatz aller Beteiligten. „Insbesondere Nachwuchsförderung ist und bleibt ein Bereich, der ohne das enorme persönliche Engagement der Beteiligten keinen nachhaltigen Erfolg erzielen wird. Und so manche Klippe konnten wir nur mit einer großen Portion Optimismus und Idealismus umfahren“, zieht Professor Hüttl Resümee. Und Viola Liebig betont: „Nachwuchsförderung ist kein Experiment, das man an- und abschalten kann“. Die Grundidee des Cottbuser Projekts fußt auf drei Säulen und umfasst die Fächer Mathematik, Physik, Biologie, Chemie, Technik und Informatik: Dazu gehört erstens ein zweiwöchiges Universitätspraktikum für Schüler der Klasse 11 örtlicher Gymnasien, bei dem die jungen Leute konkret in die Forschungsprozesse eingebunden sind und selbst eine Fragestellung entwickeln können; zweitens der sogenannte „Unterrichtstag an der Universität“ (UNI) einmal im Monat, an dem die Schüler ihre wissenschaftlichen Arbeiten in Angriff nehmen, die sie zum Schuljahresende am Lehrstuhl präsentieren und mit einer Facharbeit abschließen. Deren Bewertung fließt in die entsprechende Schulnote mit ein, wie überhaupt die Fachlehrer der beteiligten Schulen eng in den gesamten Prozess eingebunden sind. Die Schüler erhalten außerdem ein Zeugnis, was später zum Beispiel bei einer Bewerbung gute Dienste leisten kann. Das dritte Standbein schließlich ist die Stärkung der Lehrerkompetenz durch die Zusammenarbeit. So konnte es unter anderem gelingen, das Anforderungsniveau der Fächer Biologie-Ökologie und Technik in der Sekundarstufe II anzuheben und dem universitären Stoff anzunähern.

Viola Liebig hebt bei all dem das notwendige „Miteinander“ von Schule und Universität über die Jahre hervor. Im September 2005 ging es los, und bereits ein halbes Jahr später folgte eine Rahmenvereinbarung zwischen der BTU und dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Anfangs, als sie den Kontakt zu den Gymnasien suchte, habe es schon hier und da „Berührungsängste“ gegeben, die man nicht einfach durch „Anordnung von oben“ überwinden könne. Oder es wurde nachgefragt, ob denn Wissenschaftler schulische Leistungen, wie im Cottbuser Projekt vorgesehen, überhaupt bewerten dürfen. Auch für die UNI-Tage der Schüler, in Cottbus ist dies traditionell der Mittwoch, bedurfte es einiger Überzeugungskraft, denn die Schule muss dies in ihren Tagesablauf einbinden und mit allen anderen Fächern abstimmen. Die Hochschule habe aber genauso ihre Einschränkungen zu beachten, denn „man kann nicht unbegrenzt Schüler aufnehmen und ihnen einfach mal ein Praktikum anbieten“, so Liebig. Dennoch, ihr ist es wichtig, dass „unser Projekt in die Breite wirkt“. Schüler, „die anfangs noch nicht so interessiert sind, werden motiviert durch das, was sie an der Universität erleben und selbst gestalten können“.

Die Förderung im NaT-Working Programm, da ist sich Viola Liebig sicher, „wurde für uns zu einem Gütesiegel“ und half maßgeblich dabei, zwei weitere Vorhaben an der BTU aufzubauen, 2006 das Projekt „Frühstudium“ der Deutschen Telekom Stiftung sowie im Jahr 2008 das Schülerlabor „UNEX“. Auf die Schüler, erzählt Viola Liebig, ist sie bei all diesen Aktivitäten besonders stolz. „Sie zeigen eine große Achtung gegenüber der Universität und erleben es als etwas Besonders, mit Wissenschaftlern arbeiten zu können“. Es begeistere sie vor allem, wie gut die Schüler ihre Arbeiten zum Abschluss im Hörsaal präsentieren, „wie intensiv und fachlich korrekt“ sie dies leisten. Fast alle Teilnehmer der ersten Jahrgänge sind mittlerweile selbst Studierende; viele davon in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Es könnte sein, dass sie bald selbst Schüler auf ihrem Weg zur Wissenschaft betreuen. „Nachwuchsförderung lohnt sich in jeder Hinsicht“, sagt Viola Liebig, und: „Ich würde mich immer wieder dafür einsetzen.“