„Alle Kinder sind zuerst Naturwissenschaftler!“
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HIGHSEA Bremerhaven
„Alle Kinder sind zuerst Naturwissenschaftler.“ Susanne Gatti, promovierte Meeresbiologin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) sagt diesen Satz aus voller Überzeugung und mit der Erfahrung aus mittlerweile neun Jahrgängen des Projekts HIGHSEA. „Sie beobachten, sind verblüfft, wollen herausfinden, warum etwas so ist, experimentieren also, bis ihre Hypothese sich bestätigt oder nicht.“ Nichts anderes machen die „echten“, die erwachsenen Wissenschaftler. Doch irgendwann auf dem Weg in der Schule scheint dieser Forscherdrang sich abzuschwächen, gar bei vielen verlorenzugehen, hat Susanne Gatti festgestellt. Gemeinsam mit der Lehrerin Kerstin von Engeln und einem Team aus zehn teilweise freigestellten Lehrkräften setzt sie dieser Entwicklung etwas entgegen, ein in seiner Anlage, Intensität und seinem Umfang in Deutschland wohl einzigartiges Projekt, das 2006 mit dem NaT-Working Hauptpreis der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet wurde. „Er kam genau zum richtigen Zeitpunkt und hat uns viel Auftrieb gegeben“, erinnert sich Susanne Gatti.
Vor knapp zehn Jahren ist HIGHSEA geboren worden mit dem Anspruch „Wir wollen als Wissenschaftler etwas Tolles mit Schulen machen, aber es muss richtig toll sein“, wie es Susanne Gatti beschreibt. Die Führung der Senatorischen Behörde für Bildung und Wissenschaft Bremen sowie die des Alfred-Wegener-Instituts schufen Freiräume, wie sie bis dahin (und wahrscheinlich auch heute noch an vielen Orten) kaum denkbar waren und die es damals wie heute zu gestalten gilt: Oberstufenschüler, die am Projekt HIGHSEA teilnehmen, verlassen für die letzten drei Jahre ihrer Schulzeit an zwei Tagen in der Woche die Schule und lernen statt dessen mit Wissenschaftlern im AWI. Lehrkräfte und Forscher gestalten den Unterricht ohne festen Stundenplan und ohne Klingelzeichen. Fächergrenzen gibt es nicht mehr, und dabei gelingt es sehr gut, die Fachinhalte von Biologie, Chemie, Englisch, Mathematik und Physik erfolgreich zu vermitteln. „Im Vorbeigehen begegnet man dem jeweiligen Thema“, beschreibt Gatti das Vorgehen. Denn wenn ein Experiment entsprechendes Wissen verlangt, muss man sich dieses eben auch zu diesem, von den Schülern als sinnvoll erkannten Zeitpunkt, aneignen.
Schüler, die zum Projekt HIGHSEA gehören wollen, müssen Eigeninitiative beweisen, ihr Interesse in der neunten Klasse bekunden und dies auch beim Wechsel in die Sekundarstufe II an das Oberstufenzentrum – so nur im Land Bremen üblich – beachten. Schulnoten, ein schriftlicher Test sowie ein Vorstellungsgespräch werden betrachtet, um dann über die Aufnahme des interessierten Nachwuchses zu entscheiden. Um die Auswahlgespräche zu optimieren, haben die Verantwortlichen selbst Schulungen besucht, denn „nur aus dem Bauch heraus“ sei nicht immer die beste Entscheidungsgrundlage. Susanne Gatti nennt einen wichtigen Aspekt, der nun praktische Anwendung findet: „Wir fragen die Schüler nicht mehr, was würdest Du tun wenn, sondern wir suchen eher nach ihren bisherigen Leistungen und Erfahrungen im Sinne von was hast Du bereits getan und wie lief das.“ Eigentlich, erklärt Susanne Gatti, sei es in dieser Altersgruppe ja „uncool, aus der Masse hervorzustechen“ und durch die Bewerbung auch noch klar zu machen, dass man sich dafür richtig anstrengen will. Außerdem bekämen die ausgewählten Schüler während der drei Jahre gelegentlich den Vorwurf der Arroganz und Abgehobenheit zu hören, weiß sie aus deren Erzählungen. Dennoch kann sie sich über mangelnden Zulauf zu HIGHSEA nicht beklagen; zwischen 25 und 45 Mädchen und Jungs bewerben sich jedes Jahr.
Nicht unwesentlich trägt dazu sicher das stadtweit bekannte „Highlight“ von HIGHSEA bei: Jeder Jahrgang unternimmt eine rund 14-tägige Fahrt zum Beispiel nach Grönland oder mit einem Segelschiff nach Spitzbergen oder in den Ostatlantik, ausgestattet mit einer wissenschaftlichen Fragestellung aus dem Institut. Neben der Arbeit der Schüler, wie ozeanographische Messungen oder das Sammeln von Eiskristall-Proben, gehört zu dieser „Expedition“ auch die Eigenorganisation vorher (inklusive Spendensammeln) und auf dem Schiff selbst. Kombüsendienst, Sauberhalten der Sanitärräume oder Segelsetzen sind auch für junge Küstenbewohner nicht alltäglich und verhelfen zu neuen Erfahrungen in einer Art Jugendherbergsatmosphäre auf See. Außerdem: „Zu viel Service ist schädlich“, erklärt Susanne Gatti mit einem Augenzwinkern, die ihre Schützlinge im gleichen Atemzug aber voller Überzeugung lobt. „Alle strengen sich unglaublich an und wachsen im Laufe der drei Jahre enorm an ihren Herausforderungen.“ Es gäbe kaum Fehlzeiten am Institut und „sie fühlen sich einfach anders hier als in der Schule“, sagt Gatti. Aus ihrer Sicht trägt dazu bei, dass HIGHSEA so gar nichts mit „stumpfem Abarbeiten“ zu tun habe. Und obwohl sie oft hört, es sei am Institut viel anstrengender als in der Schule, gelingt es dennoch, die Schüler und Lehrer gleichermaßen zu dieser Anstrengung zu motivieren, und sie zu deutlich besseren Leistungen zu führen. „Der Hammer hängt hier höher, aber sie erreichen ihn dennoch“, so Susanne Gatti.
„Alle Kinder sind zuerst Naturwissenschaftler.“ Susanne Gatti, promovierte Meeresbiologin am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft (AWI) sagt diesen Satz aus voller Überzeugung und mit der Erfahrung aus mittlerweile neun Jahrgängen des Projekts HIGHSEA. „Sie beobachten, sind verblüfft, wollen herausfinden, warum etwas so ist, experimentieren also, bis ihre Hypothese sich bestätigt oder nicht.“ Nichts anderes machen die „echten“, die erwachsenen Wissenschaftler. Doch irgendwann auf dem Weg in der Schule scheint dieser Forscherdrang sich abzuschwächen, gar bei vielen verlorenzugehen, hat Susanne Gatti festgestellt. Gemeinsam mit der Lehrerin Kerstin von Engeln und einem Team aus zehn teilweise freigestellten Lehrkräften setzt sie dieser Entwicklung etwas entgegen, ein in seiner Anlage, Intensität und seinem Umfang in Deutschland wohl einzigartiges Projekt, das 2006 mit dem NaT-Working Hauptpreis der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet wurde. „Er kam genau zum richtigen Zeitpunkt und hat uns viel Auftrieb gegeben“, erinnert sich Susanne Gatti.
Vor knapp zehn Jahren ist HIGHSEA geboren worden mit dem Anspruch „Wir wollen als Wissenschaftler etwas Tolles mit Schulen machen, aber es muss richtig toll sein“, wie es Susanne Gatti beschreibt. Die Führung der Senatorischen Behörde für Bildung und Wissenschaft Bremen sowie die des Alfred-Wegener-Instituts schufen Freiräume, wie sie bis dahin (und wahrscheinlich auch heute noch an vielen Orten) kaum denkbar waren und die es damals wie heute zu gestalten gilt: Oberstufenschüler, die am Projekt HIGHSEA teilnehmen, verlassen für die letzten drei Jahre ihrer Schulzeit an zwei Tagen in der Woche die Schule und lernen statt dessen mit Wissenschaftlern im AWI. Lehrkräfte und Forscher gestalten den Unterricht ohne festen Stundenplan und ohne Klingelzeichen. Fächergrenzen gibt es nicht mehr, und dabei gelingt es sehr gut, die Fachinhalte von Biologie, Chemie, Englisch, Mathematik und Physik erfolgreich zu vermitteln. „Im Vorbeigehen begegnet man dem jeweiligen Thema“, beschreibt Gatti das Vorgehen. Denn wenn ein Experiment entsprechendes Wissen verlangt, muss man sich dieses eben auch zu diesem, von den Schülern als sinnvoll erkannten Zeitpunkt, aneignen.
Schüler, die zum Projekt HIGHSEA gehören wollen, müssen Eigeninitiative beweisen, ihr Interesse in der neunten Klasse bekunden und dies auch beim Wechsel in die Sekundarstufe II an das Oberstufenzentrum – so nur im Land Bremen üblich – beachten. Schulnoten, ein schriftlicher Test sowie ein Vorstellungsgespräch werden betrachtet, um dann über die Aufnahme des interessierten Nachwuchses zu entscheiden. Um die Auswahlgespräche zu optimieren, haben die Verantwortlichen selbst Schulungen besucht, denn „nur aus dem Bauch heraus“ sei nicht immer die beste Entscheidungsgrundlage. Susanne Gatti nennt einen wichtigen Aspekt, der nun praktische Anwendung findet: „Wir fragen die Schüler nicht mehr, was würdest Du tun wenn, sondern wir suchen eher nach ihren bisherigen Leistungen und Erfahrungen im Sinne von was hast Du bereits getan und wie lief das.“ Eigentlich, erklärt Susanne Gatti, sei es in dieser Altersgruppe ja „uncool, aus der Masse hervorzustechen“ und durch die Bewerbung auch noch klar zu machen, dass man sich dafür richtig anstrengen will. Außerdem bekämen die ausgewählten Schüler während der drei Jahre gelegentlich den Vorwurf der Arroganz und Abgehobenheit zu hören, weiß sie aus deren Erzählungen. Dennoch kann sie sich über mangelnden Zulauf zu HIGHSEA nicht beklagen; zwischen 25 und 45 Mädchen und Jungs bewerben sich jedes Jahr.
Nicht unwesentlich trägt dazu sicher das stadtweit bekannte „Highlight“ von HIGHSEA bei: Jeder Jahrgang unternimmt eine rund 14-tägige Fahrt zum Beispiel nach Grönland oder mit einem Segelschiff nach Spitzbergen oder in den Ostatlantik, ausgestattet mit einer wissenschaftlichen Fragestellung aus dem Institut. Neben der Arbeit der Schüler, wie ozeanographische Messungen oder das Sammeln von Eiskristall-Proben, gehört zu dieser „Expedition“ auch die Eigenorganisation vorher (inklusive Spendensammeln) und auf dem Schiff selbst. Kombüsendienst, Sauberhalten der Sanitärräume oder Segelsetzen sind auch für junge Küstenbewohner nicht alltäglich und verhelfen zu neuen Erfahrungen in einer Art Jugendherbergsatmosphäre auf See. Außerdem: „Zu viel Service ist schädlich“, erklärt Susanne Gatti mit einem Augenzwinkern, die ihre Schützlinge im gleichen Atemzug aber voller Überzeugung lobt. „Alle strengen sich unglaublich an und wachsen im Laufe der drei Jahre enorm an ihren Herausforderungen.“ Es gäbe kaum Fehlzeiten am Institut und „sie fühlen sich einfach anders hier als in der Schule“, sagt Gatti. Aus ihrer Sicht trägt dazu bei, dass HIGHSEA so gar nichts mit „stumpfem Abarbeiten“ zu tun habe. Und obwohl sie oft hört, es sei am Institut viel anstrengender als in der Schule, gelingt es dennoch, die Schüler und Lehrer gleichermaßen zu dieser Anstrengung zu motivieren, und sie zu deutlich besseren Leistungen zu führen. „Der Hammer hängt hier höher, aber sie erreichen ihn dennoch“, so Susanne Gatti.